Ölheizung oder Luft-Wasser-Wärmepumpe: Was kostet Heizen und Warmwasser?
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Was kostet das Heizen eines Einfamilienhauses mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe im Vergleich zu einer Ölheizung? Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt: Entscheidend ist nicht nur der Preis pro Kilowattstunde Strom oder Heizöl. Bei der Wärmepumpe wirkt die Jahresarbeitszahl als Multiplikator, während bei der Ölheizung Umwandlungsverluste berücksichtigt werden müssen.
Das Beispielgebäude
Für den Vergleich betrachten wir ein typisches Einfamilienhaus aus dem Baujahr 1970 mit einer berechneten Heizlast von 12 kW. Da die Heizlast nur die benötigte Leistung am Auslegungspunkt beschreibt, lässt sich daraus noch kein exakter Jahresverbrauch ablesen. Für unser Rechenbeispiel verwenden wir deshalb transparente Annahmen:
| Gebäude | Einfamilienhaus, Baujahr 1970 |
| Heizlast | 12 kW |
| Vollbenutzungsstunden Heizung | 1.800 Stunden pro Jahr |
| Wärmebedarf Raumheizung | 21.600 kWh pro Jahr |
| Nutzwärme für Warmwasser | 2.500 kWh pro Jahr |
| Gesamter Nutzwärmebedarf | 24.100 kWh pro Jahr |
| Strompreis | 0,35 Euro/kWh |
| Energiepreis Heizöl | 0,17 Euro/kWh Brennstoffenergie |
| Jahresarbeitszahl Wärmepumpe | 3,2 einschließlich Heizung und Warmwasser |
| Jahresnutzungsgrad Ölheizung | 85 Prozent |
Hinweis: 1.800 Vollbenutzungsstunden bedeuten nicht, dass die Heizung nur 1.800 Stunden läuft. Der Wert beschreibt rechnerisch die jährliche Wärmemenge im Verhältnis zur maximalen Heizleistung. In der Realität arbeitet die Anlage über viele weitere Stunden mit Teillast.
Schritt 1: Jährlicher Wärmebedarf
Für die Raumheizung ergibt sich:
12 kW × 1.800 Stunden = 21.600 kWh Nutzwärme pro Jahr
Zusammen mit 2.500 kWh für die Warmwasserbereitung rechnen wir mit insgesamt:
21.600 kWh + 2.500 kWh = 24.100 kWh Nutzwärme pro Jahr
Kosten mit der Luft-Wasser-Wärmepumpe
Eine Jahresarbeitszahl von 3,2 bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt die Wärmepumpe im Jahresmittel 3,2 Kilowattstunden nutzbare Wärme. Darin sind in unserem Beispiel sowohl Heizung als auch Warmwasser enthalten.
24.100 kWh ÷ 3,2 = rund 7.531 kWh Strom pro Jahr
Bei 35 Cent pro Kilowattstunde ergeben sich jährliche Energiekosten von:
7.531 kWh × 0,35 Euro = rund 2.636 Euro pro Jahr
Eine Kilowattstunde nutzbare Wärme kostet damit rechnerisch rund 10,9 Cent.
Kosten mit der Ölheizung
Bei der Ölheizung kann nicht die gesamte im Brennstoff enthaltene Energie als Nutzwärme verwendet werden. Für eine ältere beziehungsweise durchschnittlich betriebene Anlage setzen wir einen Jahresnutzungsgrad von 85 Prozent an.
24.100 kWh ÷ 0,85 = rund 28.353 kWh Heizöl-Energie pro Jahr
Bei 17 Cent pro Kilowattstunde Heizöl ergeben sich:
28.353 kWh × 0,17 Euro = rund 4.820 Euro pro Jahr
Eine Kilowattstunde nutzbare Wärme kostet damit rechnerisch rund 20,0 Cent.
Das Ergebnis im direkten Vergleich
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | Ölheizung | |
|---|---|---|
| Nutzwärmebedarf | 24.100 kWh/Jahr | 24.100 kWh/Jahr |
| Benötigte Endenergie | ca. 7.531 kWh Strom | ca. 28.353 kWh Heizöl-Energie |
| Energiekosten pro Jahr | ca. 2.636 Euro | ca. 4.820 Euro |
| Kosten je kWh Nutzwärme | ca. 10,9 Cent | ca. 20,0 Cent |
Unter diesen Annahmen spart die Luft-Wasser-Wärmepumpe bei Heizung und Warmwasser rund 2.184 Euro Energiekosten pro Jahr. Das entspricht einer rechnerischen Reduzierung von etwa 45 Prozent.
Wie stark beeinflusst die Jahresarbeitszahl das Ergebnis?
Die tatsächlichen Kosten einer Wärmepumpe hängen besonders von der Jahresarbeitszahl ab. Sie wird unter anderem durch Vorlauftemperatur, Heizflächen, hydraulischen Abgleich, Auslegung, Warmwasserbereitung und Nutzerverhalten beeinflusst.
| Jahresarbeitszahl | Strombedarf | Stromkosten pro Jahr | Ersparnis gegenüber Öl |
|---|---|---|---|
| 2,8 | ca. 8.607 kWh | ca. 3.013 Euro | ca. 1.808 Euro |
| 3,2 | ca. 7.531 kWh | ca. 2.636 Euro | ca. 2.184 Euro |
| 3,6 | ca. 6.694 kWh | ca. 2.343 Euro | ca. 2.477 Euro |
Selbst bei einer eher mäßigen Jahresarbeitszahl von 2,8 liegt die Wärmepumpe in diesem Beispiel noch deutlich unter den angenommenen Energiekosten der Ölheizung. Eine gute Planung bleibt trotzdem entscheidend: Jedes Grad weniger notwendige Vorlauftemperatur verbessert in der Regel die Effizienz.
Was ist in diesem Vergleich nicht enthalten?
- Anschaffungs- und Finanzierungskosten der Anlagen,
- staatliche Förderungen,
- Wartung, Schornsteinfeger und Tankprüfung,
- Grundpreise für Strom oder Liefernebenkosten beim Heizöl,
- mögliche Photovoltaik-Eigenversorgung,
- künftige Veränderungen bei Strom-, Heizöl- und CO₂-Kosten,
- individuelle Unterschiede bei Raumtemperaturen und Warmwasserverbrauch.
Fazit
Bei den angenommenen Energiepreisen ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe im laufenden Betrieb klar günstiger. Während die Ölheizung rund 4.820 Euro Energiekosten pro Jahr verursacht, liegt die Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von 3,2 bei etwa 2.636 Euro.
Das Beispiel zeigt aber auch: Eine Heizlast von 12 kW allein reicht für eine seriöse Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht aus. Entscheidend sind der tatsächliche Jahreswärmebedarf, die erforderlichen Systemtemperaturen, die Qualität der Auslegung und die real erreichbare Jahresarbeitszahl. Vor einem Heizungstausch sollten deshalb die raumweise Heizlast, die vorhandenen Heizflächen und der hydraulische Abgleich geprüft werden.
Weiterführende Informationen
- Umweltbundesamt: Umgebungswärme und Wärmepumpen
- Umweltbundesamt: Hinweise zu Planung und effizientem Betrieb
Rechenstand: 29. Oktober 2026. Die verwendeten Energiepreise und technischen Werte sind Annahmen für dieses Beispiel und keine Prognose oder individuelle Energieberatung.